Rheuma Anzeichen: Warnsignale beachten

Rheuma Anzeichen: Warnsignale beachten

Rheuma Anzeichen: Wissen verbessert Behandlungschancen

Rheuma Anzeichen sollten Sie nie auf die leichte Schulter nehmen, denn Früherkennung verbessert die Chancen erfolgreicher Behandlung. Der Begriff Rheuma bezeichnet eine Volkskrankheit mit mehreren Hundert Krankheitsbildern. Zu den Krankheiten des rheumatischen Formenkreises zählen auch eher seltene Erscheinungsbilder wie Morbus Bechterew und reaktive Arthritis. Die Symptome dieser Krankheiten können sich im ganzen Körper bemerkbar machen. Je besser Sie über Symptome Bescheid wissen, desto höher ist Ihre Chance, eine Rheuma Krankheit frühzeitig zu erkennen und den Krankheitsverlauf zu bremsen.

Rheuma: Vier Gruppen von Krankheiten

Der Begriff Rheuma leitet sich von einem altgriechischen Wort ab, das Fluss oder Strömung bedeutet. Der Name deutet auf ein gemeinsames Merkmal aller Rheuma-Krankheiten hin: Ausstrahlende, fließende Schmerzen. Die Krankheitsbilder des rheumatischen Formenkreises lassen sich in vier Hauptgruppen unterteilen:

  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis
  • Arthrose
  • Stoffwechselkrankheiten wie Gicht
  • Fibromyalgie

Allgemeine Rheuma Anzeichen

Rheuma ist keine Frage des Alters, obwohl sich bestimmte Krankheitsbilder wie Arthrose verstärkt in späteren Lebensjahren bemerkbar machen. Rheuma-Krankheiten greifen in erster Linie Gelenke an, können aber auch andere Gewebe und Organe betreffen. Hier ist eine Liste allgemeiner Symptome, die bei rheumatischen Krankheiten auftreten können:

  • Unruhiger Schlaf über Monate hinweg
  • Abgespanntheit, Müdigkeit, Erschöpfungszustände
  • Trockene Schleimhäute in Mund und Augen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen beim Aufwachen
  • Gelenkschmerzen in Ruhe
  • Unklare Gelenkschmerzen über Wochen hinweg
  • Geschwollene Gelenke in Finger- und Handgelenken

Morgensteifigkeit nicht ignorieren

Ein Warnzeichen zahlreicher Rheuma-Krankheiten ist die sogenannte Morgensteifigkeit. Sie kann alle Gelenke befallen, betrifft aber besonders häufig Finger-, Fuß- und Zehengelenke. Sind Ihre Finger nach dem Aufwachen so steif, dass Sie kaum die Kaffeemaschine bedienen können? Morgensteifigkeit sollten Sie niemals ignorieren, auch wenn sie nach wenigen Minuten wieder verschwindet. Es empfiehlt sich, dieses Alarmsignal als Anlass für einen Besuch bei Ihrem Arzt zu nehmen. Für die Diagnose von Rheuma ist die Anamnese, die Krankheitsgeschichte, der erste Schritt. Sie können sich darauf mit einem Tagebuch vorbereiten, in dem Sie Ihre Beschwerden dokumentieren.

Volkskrankheit Arthrose

Arthrose beschreibt den Prozess, wenn sich der Knorpel im Gelenk über Jahre hinweg abnutzt. Mehr als die Hälfte aller Frauen und ein Drittel der Männer im Alter über 60 Jahre leiden an einer Form der Arthrose. Sie beginnt meist nach einer Verletzung des Knorpelgewebes im Gelenk, zum Beispiel durch einen Unfall, Überlastung oder fehlerhafte Körperhaltung. Knorpelverletzungen heilen nur langsam, da dieses Gewebe nicht an den Blutkreislauf angebunden ist. Nährstoffe für den Zellaufbau erreichen das Knorpelgewebe nur über Diffusion von der Gelenkschmiere, der Synova. Mit zunehmendem Alter regeneriert sich Knorpel immer langsamer. Ist eine Schwelle überschritten, baut sich der Knorpel zunehmend ab. Das Gelenk entzündet sich, schmerzt und versteift, wenn der Knorpel total verschlissen ist.

Autoimmunkrankheit rheumatoide Arthritis

Die Symptome von rheumatoider Arthritis an Gelenken ähneln den Anzeichen von Arthrose. Allerdings verursacht bei dieser Krankheit das Immunsystem die Entzündungen in den Gelenken. Fehlgesteuerte Immunzellen greifen dabei den eigenen Körper an, genauer die Gelenkinnenhaut. Das kann zu Wucherungen führen. Mit der Zeit zerstört rheumatoide Arthritis Knorpel, Knochen und Bänder. Diese Krankheit kündigt sich oft mit leichten Fieberschüben, allgemeinem Unwohlsein und Depressionen an. Ein Anzeichen von rheumatoider Arthritis ist, dass sie Gelenke paarweise befällt, zum Beispiel das linke und das rechte Grundgelenk des Zeigefingers.

Entzündungskrankheiten mit ungewöhnlichem Verlauf

Manche entzündliche Krankheiten des rheumatischen Formenkreises nehmen einen ungewöhnlichen Verlauf. So kann eine bakterielle Infektion der Harnwege, der Geschlechtsorgane oder der Atemwege eine reaktive Arthritis auslösen. Diese Infektion kann so leicht sein, dass Sie den Infekt gar nicht bemerken. Zwei bis vier Wochen danach stellen sich Schmerzen und Entzündungen in den Gelenken ein. Meist sind die Gelenke des Bewegungsapparats betroffen wie Hüften, Knie und Fußgelenke. Diese Form der Arthritis befällt aber auch Schulter, Ellenbogen und Fingergelenke. Manchmal springt die Entzündung von einem Gelenk zum anderen. Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis ist dabei jedoch in der Regel nur ein Gelenk betroffen.

Weitere Warnzeichen

Die reaktive Arthritis kann auch zu Entzündungen von Sehnen und Sehnenscheiden führen. Gelegentlich schwillt ein gesamter Finger oder Zeh an oder es bilden sich rötlich-blaue Knoten an den Sprunggelenken oder am Unterschenkel. Muskelschmerzen und schuppende Haut sind weitere Anzeichen. Diese Krankheit kann sich auch auf die Augen ausdehnen. Brennende, gerötete Augen durch Entzündungen in der Bindehaut, der Hornhaut oder der Regenbogenhaut sind die Folge.

Schuppenflechte befällt Gelenke

Die Schuppenflechte, Fachausdruck Psoriasis, kann ebenfalls Gelenke befallen. In diesem Fall spricht man von Psoriasis Arthritis. Bei 60 Prozent aller Patienten tritt sie auf, nachdem sie jahrelang unter Schuppenflechte gelitten haben. Bei jedem zehnten Kranken jedoch macht sie sich zuerst in den Gelenken bemerkbar. Diese Krankheit gehört zu der Gruppe seronegative Spondarthritis. Der Begriff seronegativ bedeutet, dass sich bei diesen Krankheiten kein Rheumafaktor im Blut nachweisen lässt. Wenn Schuppenflechte zuerst die Gelenke befällt, lässt sie sich nur schwer diagnostizieren. Morbus Bechterew gehört ebenfalls zu dieser Gruppe der Rheuma-Krankheiten. Dabei kommt es in erster Linie zu Entzündungen in der Wirbelsäule. Außerdem können chronische Darmentzündungen mit Gelenkentzündungen einhergehen, zum Beispiel Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn. Beide Krankheiten verursachen ständigen Durchfall.

Arthritis im Kindesalter

Wenn Gelenkentzündungen im Kindesalter auftreten, spricht man von juveniler idiopathischer Arthritis. Die Gründe für das Aufflammen von Gelenkentzündungen in jungen Jahren sind unbekannt. Mädchen sind davon weit häufiger betroffen als Jungen. Eines von 1.000 Kindern unter 16 Jahren leidet an Gelenkentzündungen, die meist rasch wieder vergehen. Bei rund 10 bis 20 Prozent verläuft die Krankheit chronisch. Für diese Fälle hat sich der Begriff Gelenkrheuma eingebürgert.

Schwierige Diagnose

Die frühen Anzeichen dieser Art von Rheuma werden oft nicht erkannt. Häufig leiden bereits Kleinkinder an Gelenkrheuma. Sie können jedoch nicht ausdrücken, dass ihre Gelenke schmerzen. Verhaltensänderungen von Kindern, Hautausschläge, Augenentzündungen und häufiges Fieber gehören zu den frühen Anzeichen dieser Art von Rheuma. Wenn Ihr Kind eine Schonhaltung einnimmt und sich nicht mehr bewegen will, kann dies ein frühes Symptom sein. Im weiteren Verlauf kommt es zu deutlich wahrnehmbaren Gelenkentzündungen. Gelenke schwellen an, röten sich und sind überhitzt. In der Regel erkranken nur eines oder wenige Gelenke.

Gravierende Spätfolgen

Schonhaltungen bei Kindern können dauerhafte Fehlstellungen des Körpers mit sich bringen. Muskelverkürzungen und Asymmetrien der Körperachse sind weitere Folgen. Wenn Gelenke chronisch entzündet sind, wird die Körperregion stärker durchblutet. So kann es zu einer Wachstumsbeschleunigung kommen, die zum Beispiel ungleiche Beinlängen verursacht. Andererseits ist auch möglich, dass vermehrte Schonung zu einer Verringerung der Muskulatur führt, zum Beispiel am Fuß oder der Wade. Das kann Fehlstellungen der Füße (Knick-Senkfuß) und ein verkrümmtes Rückgrat (Skoliose) zur Folge haben.

Stoffwechselstörungen erzeugen Rheuma

Gicht und Osteoporose sind die zwei häufigsten Stoffwechselkrankheiten, die Gelenke betreffen. Bei Gicht handelt es sich um einen gestörten Purin-Stoffwechsel. Purine führen im Körper zur Bildung von Harnsäure. Bei Gicht scheidet der Körper Harnsäure nur ungenügend aus. Kristalle bilden sich in den Blutbahnen und lagern sich im Inneren von Gelenken ab. Das verursacht äußerst schmerzhafte Entzündungen, die in Anfällen auftreten. Vor allem Frauen und ältere Menschen leiden an Osteoporose, einer Stoffwechselerkrankung des Skeletts. Dabei kommt es zum Verlust von Knochenmasse. Das Skelett wird brüchig.

Rätselhafte Fibromyalgie

Chronische Schmerzen zermürben Patienten, die an Fibromyalgie leiden. Die großflächigen Schmerzen wandern dabei oft im Körper umher, ohne dass Ärzte eine organische Ursache finden können. Die Ursachen von Fibromyalgie sind weitgehend unbekannt. Wissenschaftler in Würzburg[1] haben herausgefunden, dass Verletzungen von schmerzleitenden Nervenfasern als Auslöser in Frage kommen. Diese Nervenfasern haben Nervenenden in der Haut und sind mit dem Rückenmark verbunden. Fibromyalgie hat außerdem folgende Begleitsymptome:

  • Schlafstörungen
  • Erschöpfungszustände
  • Reizdarm
  • Panikattacken
  • Depressionen
  • Morgensteifigkeit

Gemeinsames Symptom: Schmerzen

Schmerzen in Gelenken, Muskeln und Weichteilen des Körpers sind Symptome, die alle Rheuma-Krankheiten verbinden. Die Schmerztherapie nimmt deshalb einen wichtigen Teil jeder Behandlung ein. Da die meisten Krankheiten des rheumatischen Formenkreises chronisch sind und häufig jahrelang andauern, ist bei chemischen Schmerzmitteln Vorsicht geboten. Auch rezeptfreie Substanzen wie Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol und Aspirin können schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen, zum Beispiel Herzstillstand oder Blutungen im Verdauungsapparat. Morphinhaltige Medikamente können sogar die Bildung des sogenannten Schmerzgedächtnisses fördern. Amerikanische Wissenschaftler[2] haben bei Experimenten herausgefunden, das mit Morphin behandelte Ratten doppelt so lange an Schmerzen litten wie Artgenossen einer Kontrollgruppe. Selbst Monate nach der Einnahme von Morphin waren diese Ratten anfälliger für Schmerzen.

Beschwerden mit der Kraft der Natur lindern

Pflanzliche Arzneimittel dagegen lindern Schmerzen auf natürliche Weise ohne Gefahren für Ihren Körper. Bei der Behandlung von Rheumabeschwerden haben sich Teufelskralle, Kurkuma und Beinwurz bewährt. Homöopathische Medikamente wirken ebenfalls zuverlässig bei Rheuma-Beschwerden. Allerdings benötigen sie häufig eine Anlaufzeit, bis sich die gewünschte Wirkung einstellt. Der gemeine Sumpfporst[3], Ledum Palustre, der Alpen-Rhododendron, sowie die Mineralien Ferrum Phosphoricum[4] und Causticum[5] beeinflussen Gelenkschmerzen positiv, schützen Knorpelgewebe und fördern die Selbstheilungskräfte des Körpers.

Sanfte Bewegung bei Gelenkschmerzen

Nährstoffe erreichen das Innere von Gelenken nicht über das Blutsystem. Der starke Druck bei Bewegungen würde die Adern zerquetschen. Knorpelgewebe ernährt sich deshalb ausschließlich von Substanzen in der Gelenkschmiere. Sanfte Bewegungen ohne Belastung wirken im Gelenk wie eine Pumpe, die Diffusion von Nährstoffen in die umliegenden Zellen fördert. Bei allen Formen von Gelenkbeschwerden sollten Sie deshalb niemals nur ruhen. Wer rastet, der rostet: Dieses Sprichwort trifft besonders auf schmerzende Gelenke zu.

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Einzelnachweise

[1] Small fibers in fibromyalgia syndrome, Nurcan Üçeyler, Daniel Zeller, Ann-Kathrin Kahn, Susanne Kewenig, Sarah Kittel-Schneider, Annina Schmid, Jordi Casanova-Molla, Karlheinz Reiners, Claudia Sommer; doi:10.1093/brain/awt053

[2] Morphine paradoxically prolongs neuropathic pain in rats by amplifying spinal NLRP3 inflammasome activation, Peter M. Grace, Keith A. Strand, Erika L. Galer, Daniel J. Urban, Xiaohui Wang, Michael V. Baratta, Timothy J. Fabisiak, Nathan D. Anderson, Kejun Cheng, Lisa I. Greene, Debra Berkelhammer, Yingning Zhang, Amanda L. Ellis, Hang Hubert Yin, Serge Campeau, Kenner C. Rice, Bryan L. Roth, Steven F. Maier, and Linda R. Watkins, PNAS 2016 113 (24) E3441-E3450; published ahead of print May 31, 2016, doi:10.1073/pnas.1602070113

[3] Zhang M, Zhao JJ, Wu WB, Zhao Y, Zhu XL. Analgesic and anti-inflammatory activities of extracts from Ledum palustre L. in mice. Nat Prod Res Dev 2010; 22: 326-329.

[4] S. R. Phatak: Homöopathische Arzneimittellehre, Urban &, Fischer Verlag, 2004, S.R., S. 224 ff.

[5] Jan Geißler: Leitfaden Homöopathie, Elsevier, 2009, S. 46, S. 1107 ff., S. 1143 ff., S. 1236 ff, S. 1258 ff.